Frida und Horst

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Eine kurze Lesegeschichte über Klarheit und Ruhe.

Herrlich ist dieser schöne Tag. Die Blumen blühen, der Firn firnt und die Zwetschgen blühen auch. „Wie soll denn das weitergehen?“, fragt Frida Horst. Horst sagt zu Frida: „Lass uns den Tag genießen, lass ihn uns einfach genießen. Weißt du, was ich meine?“ „Ja, vom Gefühl her weiß ich, was du meinst. Wie geht denn das mit dem Genie­ßen?“ fragt Frida. „Ja, man stellt sich einfach hin und tut nichts, das heißt, man schaut sich einfach alles an und saugt es in sich auf.“ „Wie soll denn das gehen?“ „Saug einfach die Klarheit auf, mit der die Dinge da stehen, weißt du was ich meine?“ „Aber wie lange?“ „Naja, bis du voll bist, liebe Frida.“ „Ich glaube, ich bin schon voll.“ „Na, dann musst du eben wieder etwas ausleeren.“ „Wie geht denn das mit dem Ausleeren?“ „Genau wie das Auffüllen.“ „Aha, ich schau mir einfach die Dinge so lange an, bis ich leer bin.“ „Ja genau, liebe Frida.“ „Ich weiß jetzt aber nicht mehr, ob ich leer oder voll bin. Wie merk ich denn das?“ „Indem ich dir eine runterhaue, liebe Frida.“
„Ich bin ein bisschen müde Horst.“ „Ja, dann schlaf ruhig liebe Frida, die Sonne wärmt dich.“
Ach, das ist herrlich, Sonnenschein und nichts außer Klar­heit. Die Luft riecht frisch, ich bräuchte mehrere Tage wie diesen. Ich würde meinen Kopf gerne abschalten, das wä­re toll, endlich runter von meiner Birne, endlich entspannen, einfach genießen. Frida schläft wie ein Kätzchen, ganz ruhig im Gesicht. Die Menschen im Schlaf erinnern sich an die Ruhe, kaum stehen sie auf, geht es schon wieder los. Mir gefällt die Ruhe, gäbe es Ruhe zu kaufen, wür­de ich einem wahren Kaufrausch erliegen. Vielleicht sollte ich einen Baum umhauen, dann kommt der Baum zu sei­ner Ruhe, zu seiner endgültigen Ruhe. Bäume streiten überhaupt nie, das ist nicht schlecht. Dafür können sie nicht verreisen, ich verreise gerne in den Süden. Bei Bäu­men ist zum Beispiel auch das Problem, dass sie sich die Äste gegenseitig ins Gesicht wachsen lassen, aber vielleicht stört sie das gar nicht. Vielleicht, weil sie gar kein Gesicht haben. Doch wenn es einen Baum stört, dann hat er ein lebenslanges Problem, so wie ich. Mein Hirn werkt unentwegt, wie bei einem Geisteskranken. Vielleicht sollte ich mir den Kopf abhacken. Ich habe sowieso einige Pro­bleme, ich würde mich gerne frei fühlen, frei von Un­ru­he. Dann wäre ich sehr zufrieden. Aber so muss ich leider Frida bis auf weiteres dreschen. Aber Frida, die hält das schon aus. Bei Menschen, die sich nicht auskennen, ist das nicht so tragisch. Am liebsten habe ich Frida, wenn sie schläft, denn dann ist alles ruhig.

Solche und ähnlich bedenkliche Geschichten gibt es möglicherweise bei den „The Living Dead Clows – Le Grand Disastre Show“ im Rahmen des Linzfests: Ein ausgefressener Direktor alias Patrik Huber dirigiert seinen Zirkus vol­ler kaputter Clowns durch ein Musiktheater/Kabarett der an­deren Art. Auf der Bühne wird „mit Haut und Haar geliebt – aber man kann sich nie sicher sein, auch gleich gefressen zu werden“.

27. Mai, ca. 19.30 h, Musikpavillon, www.linzfest.at
Vorpremiere: 19. Mai, 20.00 h, Gasthaus Post in Ottens­heim

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