Kultur für alle

AutorIn: 
Graz feierte mit einem Aktionstag am 20. März „1 Jahr: Aktion Hunger auf Kunst und Kultur“. Ein ganztägiges Programm mit speziellen Füh­run­gen in Museen, Theateraufführungen etc. für KulturpassbesitzerInnen sollte die Aktion wei­ter­hin bekannt machen und ein erstes Resu­mee wurde gezogen. In OÖ startet „Hunger auf Kunst und Kultur“ im Mai.

Die wohlgemeinte Aktion, welche einkommensschwachen Personen mithilfe eines Kulturpasses Gratiseintritt zu Kulturveranstaltungen ermöglicht, wur­de 2003 vom Wiener Schauspielhaus in Kooperation mit der Armuts­kon­fe­renz ins Leben gerufen. Über ein Spendensystems werden einerseits die Gra­­tiskarten vom jeweiligen Kultur­ver­an­stalter (sel­ber) finanziert, an­de­rer­seits soll mit der Ak­ti­on auch ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Kul­tur für alle leistbar, die Teil­habe daran ein Grundrecht für alle sein sollte.

Nach Salzburg und Graz, welche die Aktion nach den Wiener Vorgaben be­reits übernommen ha­ben, will auch OÖ demnächst durchstarten. Nachdem das Land OÖ die Aktion schon seit über einem Jahr für sich beansprucht, hat sich nun endlich ein geeigneter Termin für die Pressekonferenz des Lan­des­­haupt­manns gefunden, was zu­ge­gebenerweise sehr lange dauern kann. Problematiken er­geben sich derzeit noch in einigen Einzelheiten bei der Über­nahme des in Wien entwickel­ten Sche­mas, das möglicherweise für OÖ – oder einfach jetzt nach einigen Jahren nicht mehr sinnvoll ist. Rund 30 Kultureinrichtungen in Linz und OÖ sowie ober­österreichweit flächendeckend rund 40 Sozi­al­einrichtungen als Aus­gabestellen der Kul­turpässe werden sich an „Hunger auf Kunst und Kul­tur“ be­teiligen, offizieller Start ist An­fang Mai.

Anders als in Wien und in Graz steht die Aktion in OÖ von vornherein unter „politischen Fit­ti­chen“. Was sich angesichts der Erfahrungen der an­de­ren Bundesländer auch zum Vorteil entwickeln könnte. In Wien wurden seit Start der Ak­tion jährlich mehr, insgesamt über 10.000 Kul­tur­pässe aus­gestellt. In Salzburg waren es ca. 1700, und Isabella Holzmann vom Verein culture unlimited, welcher die Aktion in Graz koordiniert, be­richtet von mitt­­lerweile 2.200 Kulturpass­besit­zer­Innen, davon über 400 in der ersten Wo­che während der Dia­gonale im März 2006, dem offiziellen Start der Ak­tion in der Steiermark. Der Bedarf an „Kunsthunger“ ist allerorts gegeben. Die Spendenbereitschaft lässt jedoch etwas zu wün­schen übrig. Sowohl in Salz­burg als auch in Graz haben die VeranstalterInnen Schwierigkei­ten, genügend Spenden aufzutreiben, weshalb die Bühnen Graz bereits an einen Aus­stieg gedacht haben. Brigitte Buchacher von der sozialpsychiatrischen Ge­sellschaft „Laube“, die die Initiative in Salz­burg koordiniert, begründet den schwachen Zu­lauf da­mit, „dass die Aktion noch zu wenig be­kannt sei“. Der­zeit werden genaue Zahlen über die Nutzung erhoben, die Stadt Salzburg wird das Projekt mit 5000 Euro unterstützen. Etwas besser ist die Situation in Wien, wo die Ak­tion einerseits ans Schau­spielhaus gebunden, an­der­er­seits von der Basis heraus geboren wurde. Aber auch hier gab es – nicht zu­letzt aus finanziellen Gründen – Schwie­rig­keiten. Nach 5 Jah­ren Erfah­run­gen löst sich die Aktion vom Schau­spiel­haus, ein eigenständiger Verein wur­de ge­grün­det. Martin Schenk von der Armutskon­fe­renz, einer der Ini­tia­torInnen aus Wien, ist auch aus anderen Gründen nicht nur glücklich.

Der Armutsbericht spricht für sich. Mehr als 460.000 Menschen in Österreich sind von Armut betroffen, ein Viertel davon sind Kinder. Mit der Ak­tion kann man ein Steinchen aushöhlen und es ist ein sehr persönlicher Ansatz, Rei­chere dazu zu bringen, ihr Gewissen auch beim nächsten Thea­ter­besuch beruhigen zu können. Weder die Bedingungen für Kulturver­an­stal­­ter­In­nen, welche nicht hochsubventioniert auch grandiose Verluste bau­en können, noch die Lebens­be­dingungen für KonsumentInnen, die sich einen Kino­besuch überlegen müssen und an einen The­a­terabend erst gar nicht den­ken, verändern sich dadurch.

23
Zurück zur Ausgabe: 
04/07

& Drupal

spotsZ - Kunst.Kultur.Szene.Linz 2006-2014