Linz0nein

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Pünktlich zum Start des Kulturhauptstadtjahres wird von „Linz0nein“ das alternative „Programm­buch 4/3“ herausgegeben: Inhalt werden all jene von Linz09 abgelehnten oder zurückgezogene Projektideen sein, deren AutorInnen der Überzeugung sind, dass sie unbedingt veröffentlicht werden sollten. Die ProgrammbuchmacherInnen Robert Hinterleitner und Belinda Hofer im Interview.

„Längst haben wir gelernt, dass nicht jede abgelehnte Idee schlecht und nicht jede realisierte Idee neu ist“ – das zu verdeutlichen, war unter anderem Ansatz des Projekts Programmbuch 4/3. Hat sich das alternative Potential für euch bestätigt oder auch differenziert?
Das Spannende an der heutigen Praxis von Kunst- und Kulturproduktion ist ja, dass Vorhan­denes oder bereits Dagewesenes oft nur konsumistisch auf­­geladen wird. Das Sampeln und Remixen ist die eigentliche Kulturpraxis, die nicht mehr nur Künst­lerInnen oder so genannten Kulturprodu­zent­­In­nen vorbehalten ist. Das Problem, das dabei auftritt ist, dass so etwas wie Urheberschaft und Copy­right, auf das viele bestehen wollen, in diesem Zu­sammenhang problematisch ist und im­mer war.
Gerade der Intendant von Linz09 beherrscht die­se Praxis des Sampelns und Remixens, ebenso wie die der massentauglichen Aufbereitung. Zu den Gewinnern zählen – wenn man so will – oft jene, die gelernt haben zu erkennen, was der Markt, ein Festival, eine AuftraggeberIn will. Ob aber so eine künstlich ins Leben gerufene Kultur­mis­sion tatsächlich auch Kultur, Kulturpolitik und die BewohnerInnen einer Stadt verändert oder po­sitiv beeinflussen kann, wagen wir zu bezweifeln.
Wirft man jedenfalls einen Blick auf die bei Linz09 eingereichten Projekte, fällt auf, dass sich die Ideen oberflächlich gesehen kaum voneinander unterscheiden; nur, dass manche im Linz09-Programm sind und manche eben nicht.

Ich nehme an, dass ihr nicht die tausenden Ein­reichungen aller bei 09 abgelehnten Projekte ge­habt habt. In gewisser Weise war euer Pro­gramm­buch sogar eine neuerliche Auslese. Wie stellt sie sich dar? Gibt es einen inhaltlich/qualitativen Zu­sam­menhang der bei euch eingegangenen Projek­te?
Nein. Wir haben nur einen Teil zu sehen bekommen. Auch, weil die Weitergabe der Adressen von EinreicherInnen selbstverständlich datenschutzrechtlich nicht möglich ist.
Neben unseren eigenen Kanälen haben wir auch versucht, die ProjektentwicklerInnen von Linz09 für die Verbreitung unseres Aufrufs zur Ein­rei­chung zu gewinnen. Einzige Antwort, die gekommen ist, war ein Dankesbrief des Intendanten (ihn haben wir übrigens nicht angeschrieben), dass unser Projekt wohlwollend aufgenommen wor­den ist und ein Geschenk beiliege: Ein Kata­log, der alle abgelehnten Projekte der von Heller künstlerisch geleiteten Expo 02 archiviert. Er­gänzt um den Vorschlag, sich daran ein gutes Bei­spiel zu nehmen.
Übrigens gibt es immer noch zahlreiche Anfra­gen, abgelehnte Projekte für unser Programm­buch einzureichen, die wir leider nicht mehr be­rück­sich­tigen können. Es zeigt bloß, dass auch so ein Prozess über einen langen Zeitraum gehen muss.
Und: Eine Auswahl des Abgelehnten hat es bei uns ganz bewusst nicht gegeben: Jede Ein­rei­chung erscheint in der Reihenfolge ihres Uploads auf unserer Homepage; diese Vorgehensweise geht bis ins kleinste Detail: Die Texte werden exakt übernommen, auch Rechtschreibfehler. Das einzige, zugegebener Maßen, niederschwellige Krite­ri­um, das wir vorgegeben haben, war, dass die Ein­reicherInnen überzeugt sein sollten, dass ihre Idee publikationswürdig wäre.

Wie sieht es mit den vermuteten oder echten Kon­texten der Absagen aus – was wird daraus er­sicht­lich?
Als Ergänzung zu den Projekttexten unseres Pro­grammbuchs haben wir die EinreicherInnen aufgefordert zu kommentieren, aus welchem Grund sie (ganz persönlich) meinen, abgelehnt worden zu sein. Das wurde in zahlreichen Fällen wahrgenommen und lässt interessante Schlüsse zu, die die LeserInnen des Programmbuch 4/3 ziehen sol­len.
Unsere ganz persönliche Ansicht ist, dass darin ge­rade auf jene Motive des Entschei­dungs­pro­zes­ses von Linz09 Bezug genommen wird, die in den Kommentaren unserer GastautorInnen im Pro­gramm­buch thematisiert werden; und das sind nicht die gebetsmühlenartig wiederholten Krite­rien, die wir von Linz09 zu hören bekommen: Wie Professionalität, Internationalität oder Nachhal­tig­­keit.
 
Das Programmbuch ist nicht das einzige Projekt von Linz0nein. Wenn ich das richtig verstanden ha­­be, gibt es auch den „Buffetplünderblog“ oder den „Linz0nein-Scheiterhaufen“. Klingt nach ab­fei­ern und untergehen?
Auf den ersten Blick: Ja. Aber da bewegen wir uns ja innerhalb der von Linz09 „vorgegebenen“ Direktive, leicht Konsumierbares mit Eventcha­rak­ter zu realisieren. Auf den zweiten Blick: Nein. Der Buffetplünderblog soll beispielsweise für er­freuliche Besucherquoten bei Linz09-Events sorgen. Dabei geht es um die Frage, wer zu dem Pu­blikum von Linz 09 zählen kann, darf und soll? Wir denken zum Beispiel an die Verteilung eines Menüplans an Notschlafstellen oder Treff­punk­ten von Obdachlosen. Der Linz0nein-Scheiter­hau­fen soll Platz für Ideen und viele schöne Events im Kulturhauptstadtjahr schaffen, indem Künst­ler­­Innen das machen, was sie ohnehin immer tun: Ihre Werke eigenhändig und noch dazu freiwillig zu entsorgen, anstatt sie vom „Kunstsystem“ un­be­achtet auch weiterhin verstauben und Platz ver­­stellen zu lassen.

Linz0nein setzt sich aus dir, Robert, vom Kultur­ver­ein zweitausendSechs, und Belinda Hofer zu­sammen. Wer ist Belinda Hofer?
Es ist nicht wirklich erheblich für unser Vor­ha­ben, wer Belinda Hofer ist. Jedenfalls eine auf Ih­re Privatsphäre bedachte Person. Jede/r, der wissen will, wer Belinda Hofer ist, soll doch Google fragen.
Jeder, der Belinda Hofer erreichen will, kann das über unsere email-Adresse:
contact@linz0nein.org.

Mehr Informationen: www.linz0nein.org
Präsentation des Programmbuches 4/3 ist Ende Jänner, bzw. An­fang Februar.

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01/09
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