Editorial
Im letzten Editorial wurde im Rahmen der Linz09 Reflexion ein Artikel angekündigt, der vom Verein MAIZ und dem abgesagten Projekt „Linz in Torten“ handeln sollte, also von einem Projekt im interkulturellen Zusammenhang von Migration. Knackig wie immer schüttelte Martin Heller im Zuge der Vorrecherchen nämlich einen Sager heraus: Er habe mit „dem von Linz09 durchgeführten Projekt ‚Kulturlotsinnen‘ das Monopol von MAIZ gebrochen“. Klingt das so, als ob er eine Bedrohung abschmettern musste? Von einem Kulturverein, der sich MigrantInnen, ihren Anliegen und Forderungen verschrieben hat. Was sich genau dahinter verborgen hat, dem konnte nicht nachgegangen werden, da ein bereits mit MAIZ vereinbarter Termin mit spotsZ abgesagt wurde: Die Themen Migration und Kultur sind MAIZ „zu wichtig, um sie im Zusammenhang mit Linz09 diskutieren zu wollen“. Tja, wieder einmal bleibt ein äußerst schaler Nachgeschmack einer Linz09-Definitionsvormacht, die vor allem auf dem emotionalen Klavier gespielt wurde.
Mit emotionaler Diskursvormacht der unangenehmeren Art beginnen die Artikel im April-spotsZ: Wolfgang Schmutz begibt sich, völlig zu Recht, in einen kritischen Dialog mit Gerald Mandlbauer, der in den OÖN Nachrichten bereits sein Bestes in Bezug auf die Kulturstadt Linz kundtat, Linz wenig künstlerisches Potential bescheinigt und das Allheilmittel in Franz Welser-Möst zu erkennen glaubt. Zum Thema Sicherheit, bzw. Unsicherheit hat Julia Engelmayer recherchiert und äußerst Erhellendes zur „Stadtwache“ zu Tage gefördert.
Theatertechnisch schreibt Julia Binter über die Inszenierung von Elfriede Jelineks Stück „Über Tiere“ im Landestheater Linz – das ganz jelinek-like die menschlich-fleischlichen Abgründe zur Schau trägt. Weniger fleischlich, dafür umso „komischer“ geht es in der Ausstellung „Komische Welten“ zu, die die Werke des Graphikers und Malers Bernd Pfarr zeigt, von Norbert Trawöger in Augenschein genommen. Der Beitrag von Florian Huber fokussiert auf das Werk des Linzer Schriftstellers Christian Steinbacher, der gerade erst mit dem Wartholzer Literaturpreis bedacht wurde. In weiterer Folge begibt sich Karin M. Hofer in die Krypta der Ursulinenkirche, um die Installation „Goldstücke“ von Judith Huemer im Kontext des kirchenspezifischen Raumes auszuloten. Philip Hautmann berichtet uns über die Klang-Projekte Wolfgang Dorningers, die mit den Begriffen „Verschwinden“, „Perspektive“ und „Utopie“ hantieren und welche sich sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart verorten lassen.
Nicht zuletzt sei auf die Veranstaltung „Philosophinnen“ der KTU Linz hingewiesen, die als Gegenreaktion auf die permanente Ausklammerung von Frauen in der philosophischen Lehre durchgeführt wird. Einige der StudentInnen beziehen zu der Misere im Lehrplan im Interview Stellung.
Diesmal ausfallen musste der Beitrag von Wiltrud Hackl, die momentan in anderen Gefilden verweilt. Dies ist aber kein Grund zu verzagen, denn es wurde guter Ersatz gefunden: Christian Pichler bietet uns in Form eines Interviews und einer Rezension einen Vorgeschmack auf die Lesung von Erwin Riess in der Stadtwerkstatt.
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